Irgendwo in Schweden

Irgendwo in Schweden
Dori und Scho Seppe

Montag, 21. September 2015

"Vita Futura" - 16 junge Afghanen malen und stellen aus

Serie: "Kunst im Krankenhaus"
Ich organisiere diese Serie seit 19 Jahren
 

Ort: Kreiskrankenhaus Viechtach
  
Geschehen: Buntes Treiben im Foyer

Was ist hier los?
Eine Gruppe von 16 afghanischen Jungs zwischen 14 und 17 Jahren ist gerade dabei, hier ihre in den letzten Wochen entstandenen Bilder auszustellen. Einige Aufhänger müssen noch befestigt werden, bevor etwa 30 Bilder ihre Plätze in den Gängen und Fluren des Hausen zugewiesen bekommen.

Wie das?
Johannes ist einer von mehreren Pädagogen, die diese elternlosen Flüchtlinge in Regen betreuen. Die Gruppe hat den schönen Namen Vita Futura. Die Betreuung geht rund um die Uhr. Die Jungs gehen alle zur Schule und lernen dort hauptsächlich Deutsch - in den vergangenen Sommerferien jedoch konnte Johannes sie motivieren, Bilder zu malen und diese nun im Krankenhaus auszustellen. Manche der Schüler haben noch nie in ihrem Leben gemalt, doch sie haben tolle neue Erfahrungen gemacht. Ali möchte sogar ein richtiger Künstler werden und scheint es bereits zu sein!

Das Besondere:
Zu jedem Bild hat der jeweils Malende einen kurzen Text formuliert. So können die Betrachter leichter einen Bezug zu den Bildern und ihren Entstehungs-Hintergrund herstellen. Mit etwas Einfühlen entdeckt man darin so manche tiefgründige Dimensionen, obwohl oder gerade weil die Texte sehr knapp und einfach sind.

Vorbereitungen - Johannes Stuffer vorne links


"Goldfisch" - Meine Mutter hat mir gesagt: "Wenn man von einem Goldfisch träumt, hat man Glück." Ich vermisse meine Mutter, sie ist nicht mehr in der Welt. Diesen Fisch habe ich für meine Mutter gemalt. - Ali, 17 Jahre, Afghanistan
"Farbe" - Das ist mein erstes Bild. Die Idee ist von einem bekannten Bild von Mondrian. Ich habe andere Farben genommen und schräge Linien verwendet. - Banggul, 16 Jahre, Afghanistan

"Das Haus" - Das ist mein zweites Bild. - Banggul, 16 Jahre, Afghanistan
"Geburt" - Ich habe drei Bilder von der Geburt von einem Baby gemalt, und ich habe auch eine Frau gemalt. Ich gehe draußen spazieren und sehe eine schwangere Frau. Ich denke: "Was ist das?" ich schaue im Internet nach: "Oh, das ist ein Baby!" Danach zeichne ich. - Hussain, 17 Jahre, Afghanistan
Zwei Presse-Autoren kommen, machen Fotos und stellen Fragen.
Herbert Unnasch, Geschäftsleiter der VHS Regen und der Arberland Regio GmbH und die leitende Diplom-Pädagogin der jugendlichen Flüchtlinge in Regen Tanja Dey im Gespräch.

Am Ende des Events stärken sich die Jungs mit Sandwichs, Obst und Getränken, welche das Krankenhaus bereit gestellt hat. In einem Abschluss-Grußwort bedanke ich mich als Organisatorin der Reihe "Kunst im Krankenhaus" bei allen Teilnehmern für ihr Engagement und für die vorbildliche Disziplin und sage, dass sie ein wertvolles Geschenk aus ihren Händen und  Herzen für das Krankenhaus gegeben haben.Sie klatschen Beifall...
Gruppenbild vorm Kreiskrankenhaus Viechtach
"Brücken bauen" - Dieses Bild habe ich zusammen mit einem Betreuer gemalt. Es zeigt eine Brücke in ein besseres, sonnigeres Leben. Sich gemeinsam auf den Weg machen! - Hussain, 17 Jahre, Afghanistan
"Die Katze" - ich hatte vor zwei Jahren eine Katze in Afghanistan. Ich habe von meiner Katze geräumt und dann habe ich sie gemalt.  - Ali, 17 Jahre, Afghanistan
"Die Kirche" - Ali, 17 Jahre, Afghanistan

Kommentare:

  1. da bekommt man so einen tollen Eindruck. Die Erklärungen dazu sind anrührend. Besonders gut gefällt mir die Katze und die Kirche

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    1. Danke, Inuit, dass was rüberkommt bei meinen spätnächtlichen, mir so wichtigen Postereien!

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  2. Die Bilder der jungen Flüchtlinge sind Therapie für die Gesellschaft!

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  3. 'Anrührend' - das trifft es genau, liebe Silvia! Nachdem mir Johannes bereits vor Kurzem von dem Projekt erzählt hatte, erwartete ich erst einmal alles bzw. auch nichts. Ich dachte, es gäbe Darstellungen von Krieg und Kampf und Blut und viel Kaputtem - und jetzt darf ich einen Goldfisch, eine Katze, einen Fötus im Mutterleib und Abstraktes bewundern. Und zum Schluss die wunderschöne Kirche in der Hand Fatimas, einem Glückssymbol der Muslime.
    Einmal mehr, liebste Dori, lieber Johannes, geht vom Stufferhaus nicht nur die Inspiration, sondern auch die segensreiche Umsetzung eurer Grundidee aus: Kunst kann den Menschen heilen helfen!

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    1. Liebe Carola, Deine Worte (und Taten! )sind wie wunderbare flügel, Flügel des Schutzes, Flügel erhöhte Sicht vermittelnd, Flügel in die Freiheit tragend.

      Danke!

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    2. Ich wusste nicht, dass die Hand Fatimas ein Glücks-Symbol der Muslime ist! Danke, Lehrerin Carola!!

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  4. Wonderful important artwork. Great!!! Thank you!

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    1. Thank you so much, always here, dear artfriend and friend Ramona!

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  5. Dori, you're such a good woman to help these young folks. Their art is good and especially like the church on the hand.

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  6. Liebe Dori !
    Über den "künstlerischen" Wert der Bilder mag "man" geteilter
    Meinung sein. Stattdessen ist etwas anderes mit mir passiert: Manche
    Bilder haben mich unheimlich stark berührt, ja "gerührt": Sie sprechen
    von einer Bindung, zu der sich der Maler zurücksehnt: zu einer Kirche,
    zur Heimat,zu Tieren, zur Mutter, die nicht mehr lebt. Diesen Jugendlichen
    müssen wir - so gut wir es können - Heimat zurückgeben. Das mag im
    Einzelfall schwer sein, aber das ist unser christlicher Auftrag.
    Vielen herzlichen Dank für die Bilder ! Ich werde mir
    morgen die Ausstellung vor Ort ansehen.
    Herzlichst, Thomas

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    1. Lieber Thomas, vielen ganz herzlichen Dank für Deine einfühlsame Sehensweise. Ja, es geht wirklich in erster Linie ums Berührt-Werden. Ich denke, das ist der entscheidende Knackpunkt. Nur so können aus Fremden Freunde werden. Was für eine Bereichrung und Chance!

      Es ist auch zum Beispiel ganz wunderbar, was sich in der Zusammenarbeit mit afrikanischen Flüchtlingen - und seit gestern auch mit einem ganz sehr fleißigen Kosovaren für Türen von Herz zu Herz, von Hand zu Hand auftun.

      Es gibt leider überall viel zu viele Vor-Urteile, die niemandem was nützen. Auf diesem Planeten Erde sollten wir allmählich dazu übergehen, gemeinsam für den Erhalt des Blauen Planeten zu arbeiten.

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    2. Ich möchte Dir, lieber Thomas, auch sagen, dass ich immer wieder so glücklich und froh bin, was Du für die Flüchtlinge tust und überhaupt als Lehrer, Künstler, Mitmensch, Freund, Herzensfreund und last not least als Christ für - - - für MICH getan hast!

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  7. Vielen Dank für Dein tolles Engagement, Johannes !
    Bis Donnerstag,

    Thomas

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  8. Habe mir alles angeschaut. Bilder und Text sind gut!

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  9. Ich werde - dein Einverständnis vorausgesetzt, liebe Dori - am Freitag Nachmittag diese wunderbare Ausstellung mit unseren neuen syrischen Jungs aus der Petterstraße. Auch dabei kann jede Menge Deutsch vermittelt werden, können sich die Kulturen austauschen und die Jungs sich evtl. in dem ein oder anderen Bild wieder finden. Vielleicht ist ja sogar auch ein noch verborgener Künstler unter ihnen!

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  10. Zo mooi om te zien schilderwerken van deze jonge mensen
    geschilderd met een gevoelige achtergrond van wat ze mee hebben gemaakt
    kijk je met andere ogen naar deze kunstwerken.
    Mooi lieve Dorie dat je dit laat zien ! misschien zit er een toekomstg kunstenaar bij,
    en zo krijgen zij een kans.
    Lieve groet Christiene.

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    1. Danke, liebe Christiene! Ich freue mich sehr, dass diese Ausstellung auch in den Niederlanden via Blog gesehen wird!

      Lieve groet,
      Dori

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